Zunächst einmal werde ich mich selbst zitieren.
Vor einigen Wochen schrieb ich etwas abfällig: „Aber ich hätte es ahnen können, die Anzeichen waren mehr als deutlich: Das Buch ist von einem Franzosen geschrieben.“ Nun, mittlerweile hat sich
das Buch doch noch spürbar gebessert. Was soll ich sagen: Die nukleare Katastrophe hat dem Buch gut getan. Man könnte sagen, ab da war deutlich mehr Feuer drin. Allerdings schlägt so langsam die öde und trostlose Stimmung der Situation wieder durch, es geht wieder vermehrt um die Gefühlswelten und die Beziehungen der Hauptpersonen untereinander.
Jedoch wurde in dem letzten Absatz, den ich heute gelesen habe, neue Wendungen der Geschichte angeteasert. „Ich erinnere mich gut daran, denn am nächsten Tag veränderten sich die Dinge, und alles kam in Fluß.“ Da ich nicht von der Entdeckung von
Feng Shui ausgehe, tippe ich darauf, dass sie doch nicht die letzten Überlebenden sein werden.
Auch generell muss ich meine Aussage über Franzosen- Bücher relativieren. Immerhin ist eines der besten und spannendsten Bücher, die ich je gelesen habe, auch von einem Franzosen.
Papillon! Unbedingt mal holen, sehr packend und dramatisch zu lesen, wie die Franzosen früher mit ihren unliebsamen Gefangenen umgegangen sind. Wurden zu menschenunwürdigen Bedingungen in einer Strafkolonie in
Französisch- Guayana untergebracht. Gestern Abend lief die Verfilmung mit Steve McQueen und Dustin Hoffman auf Kabel 1 und diese war fast genau so erschütternd. Generell finde ich ja sowieso diese Abenteuer und Science-Fiction Filme aus den 60ern und 70ern meistens sehr gut und besser als die aktuellen Actionfilme, die man hauptsächlich wegen den tollen Tricks und den flotten Sprüchen schaut.
Was bleibt also als Kernaussage hängen? Franzosen schreiben gut und gerne über menschliche Abgründe und Katastrophen. Und noch ein Zitat aus der aktuellen 11Freunde, in dem die Tuttosport zitiert wird und ich es ganz lustig fand und es halbwegs zum Eintrag passt: „Ohne Zidane ist Frankreich nicht mehr die furchterregende Mannschaft von Berlin, sondern eine Gruppe berühmter alter Heeren unter der Leitung eines verrückten Trainers.“ Kann man lustig finden, wenn man sich für Fußball interessiert. Der Bogen zurück zu mir: Ich habe Zidane in seinem drittletzten Spiel noch
live gesehen und er war da fantastisch.
Video des Tages: Es ist nichts von einem Franzosen, damit auch kein Chanson von
Carla Bruni, sondern etwas Ruhigeres vom Black Rebel Motorcycle Club (ich liebe diesen Bandnamen):
Sympathetic Noose.
Schönen Start in die Woche.